Alkoholismus behandeln: Es führt kein Weg daran vorbei!

Der übermäßige Alkoholkonsum von Erwachsenen und verstärkt auch Jugendlichen ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Vorsorge und Behandlung erhalten deshalb einen immer höheren Stellenwert.

Ein altes chinesisches Sprichwort warnt, wer keine Geduld habe, der komme auch nicht an das Ziel. Gerade im Umgang mit Alkoholkranken ist diese Fähigkeit gefragt. Ärzte und Therapeuten sehen sich im Verlauf der Therapie oftmals Situationen gegenüber, in denen die alkohol- kranken Patienten ihr übermäßiges Trinkverhalten verharmlosen oder gar völlig von sich weisen. Ohne medizinisch-therapeutische Behandlung würde die Krankheit schmerzfrei voranschreiten - manchmal bis zum plötzlichen körperlichen und/oder seelischen Zusammenbruch. Alkoholismus behandeln heißt deshalb, die Mechanismen zu kennen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden: vor allem Verharmlosung des Suchtverhaltens, Hinweise auf gesellschaftliche Duldung des Alkohol- genusses. Die Therapeuten müssen daher mit viel Geduld und Einfüh- lungsvermögen den Weg zum erfolgreichen Therapieverlauf bereiten.

Bevor die Behandlung einsetzen kann, muss geklärt sein, mit welchem Krankheitsbild der Patient in die Alkohol-Therapie einsteigt. Wie nun wird der Alkoholismus medizinisch-therapeutisch beschrieben? Nach Ansicht der Fachleute handelt es sich hierbei um eine krankhafte Erscheinung mit körperlichen, seelischen und sozialen Problemen, hervorgerufen durch übermäßigen und dauerhaften Alkoholgenuss (auch: Alkohol- oder Trunksucht). Betroffen ist das männliche Geschlecht zu 70 Prozent, gefolgt von den Frauen und Jugendlichen aller Altersgruppen. Auf Grundlage von Beurteilungen der Krankheitserscheinungen wie Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsmangel, auffälliges Trinkverhalten, Leistungsabfall wird eine Diagnose gestellt. Erst nach Beendigung der Beurteilung aller therapiewichtigen Faktoren u. a. durch Auswertung der Laborwerte und Fragebögen sowie der Ergebnisse von Einzelgesprächen kann die eigentliche Behandlung einsetzen.

Falls erforderlich - oftmals in akuten Fällen - beginnt die Behand- lung mit dem Entzug. Dieser wird in darauf spezialisierten Kliniken durchgeführt und kann einen Zeitraum von mehreren Wochen umfassen. Unterstützt wird der Entgiftungsprozess durch Einnahme von Medikamenten. Nach erfolgreich abgeschlossenem Entzug folgen zur weiteren Abklärung der Krankheitsursachen mehrere Einzel- und Gruppengespräche. Der Patient soll hierbei seine Probleme vortragen und verstehen lernen und sich der Gruppe anvertrauen, um angstfrei soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Verschüttetes Selbstvertrauen soll durch Einsicht und Selbstverantwortung freigelegt werden. Nahezu alle Therapieformen werden durch Medikamenteneinnahme unterstützt - vor allem zur Verbesserung bestimmter Hirnfunktionen und der Milderung körperlicher Missempfindungen. In letzter Zeit wird daher für diesen speziellen Bereich über den Einsatz von Hypnose und Akupunktur nachgedacht. Nach Beendigung der stationären Behandlung folgt die Eingliederung in eine wohnortnahe Selbsthilfegruppe. Hier kann der Betroffene seine bisherigen positiven Erfahrungen festigen und testen sowie neue Möglichkeiten der Konfliktbewältigung erproben. Voraussetzungen hierfür sind allerdings der unbedingte Wille zur Mitarbeit und auf der anderen Seite Einfühlungsvermögen und Geduld.